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Internet-Community soll Aktienkurse berechnen"Rhein-Neckar-Zeitung" vom 18. Juli 2000
Existenzgründer: Firma i42 Informationsmanagement
Von Harald Berlinghof
Die Zahl 42 ist schlicht Kult. Zumindest unter Phyiskern und Mathematikern, die "Per Anhalter durch die Galaxis" gelesen haben. Ein gigantischer Computer wird dort nach den letzten Anworten des Universums gefragt und gibt die Antwort nach sieben Millionen Jahren des Rechnens: Zweiundvierzig. Nun liegt der Grund für das etwas unscharfe Resultat wahrscheinlich an der unpräzisen Fragestellung. Daran haben sich die drei Gründer der i42 Informationsmanagement GmbH aus Mannheim erinnert, als sie einen Namen für ihr Unternehmen gesucht haben. Denn letztlich wollen sie klarere Fragen stellen sowie deutlichere Antworten geben - und "coole" Projekte auf die Beine stellen, die Kultstatus erlangen könnten.
"Was dem Internet letztlich fehlt, ist weniger die Technik als der Inhalt",
so Till Mansmann und Hartmut Ulrich, zwei der Unternehmensgründer. Folgerichtig
widmet sich i42 mit seinen gegewärtig sieben Mitarbeitern vor allem der Aufbereitung
von Informationen an der Schnittstelle Internetnutzer - Anbieter. Beide Existenzgründer
und auf der Dritte im Bunde, Andreas Bohn, kommen aus dem Verlagsbereich und
beschlossen vor gut einem Jahr, mit einer eigenen Firma dem Internet journalistische
Entwicklungshilfe zu geben. Finanziert haben sie ihr Unternehmen mit privatem
Risikokapital.
Den Auftritt eines Unternehmens im Internet dem neuen Medium anzupassen und
die Informationen aufbereitet zu präsentieren, ist eine Hälfte der Tätigkeit
von i42. "Das tägliche Brot sozusagen", meint Ulrich. Die andere Hälfte hat
mehr etwas mit Kult zu tun. "Kult kann man nicht machen, der entsteht einfach",
weiß man auch bei i42. Wie die Moorhuhn-Hysterie zum Beispiel. Trotzdem glaubt
man bei i42 ein paar Spielregeln erkannt zu haben, und deshalb will man die
Vorgehensweise einfach umdrehen. Nicht zuerst den Auftrag eines Unternehmens
ausführen, die sagen: Mach mir meinen Internet-Auftritt für dieses Produkt und
dieses Image. Vielmehr wird zuerst ein Projekt entwickelt, dann versucht, eine
"community" darum zu scharen und erst dann geschaut, welche Art von Unternehmen
sich dafür interessieren könnte.
"Voraussetzung im Internet ist, dass alles für den Konsumenten kostenlos sein
muss", so Hartmut Ulrich. Damit ein Unternehmen wie i42 auch Geld verdienen
kann, muss also ein anderer zahlen, nänmlich derjenige, der einen Vorteil daraus
zieht. Als Gegenleistung hat er seinen Auftritt auf einer häufig frequentierten
"coolen" Internet-Seite mit Marke, Name und eventuell einem Link zu seiner Homepage.
Um also an den Konsumenten heranzukommen, bedarf es eines Anreizes, dass der
überhaupt ins Netz kommt. Und der liegt einmal in der kostenlosen Information
oder darin, dass es "kultig" ist, einer "community" anzugehören.
Beides trifft auf das heißeste Projekt zu, dass i42 gerade in der Pipeline
hat. Man will Aktienkurse mit Hilfe neuronaler Netzwerke und künstlicher Intelligenz
präziser vorherberechnen lassen, als das andere können. Weil man dazu aber riesige
Rechnerleistungen benötigt, die man nicht hat, will man das von den Internet-Nutzern
machen lassen. Die Anregung für das Prinzip hat man sich aus den USA geholt.
Dort gibt es ein Projekt, das sich SETI nennt - Search for extraterrestrial
Intelligence. Man horcht dort mit Radioteleskopen in den Weltraum und versucht
aus der Einförmigkeit der Signale natürlichen Ursprungs Unregelmäßigkeiten,
die künstlicher Natur sein könnten, herauszufiltern. Und für die Berechnung
der gewaltigen Datenmengen braucht man Rechnerleistung, die man nicht mehr hat,
seit die NASA die Gelder gekürzt hat.
Also lässt man dort von allen, die wollen, auf ihrem Heim-PC rechnen. Und das
geht so: Immer wenn sich bei einem Internet-Nutzer, der dabei sein will und
damit zur "community" gehört, der Bildschirmschoner einschaltet, rechnet dessen
Computer für SETI. Wenn er fertig ist, schickt er sein Datenpaket zurück.
Nach dem selben Prinzip soll Anfang September das Projekt MoneyBee
von i42 startet. Jeder, der will, bekommt ein neuronales Netzwerk mit bestimmten
Parametern zur Berechnung der Kursverläufe und beteiligt sich so an der Rechnerarbeit.
Die Ergebnisse werden zurückgeschickt an den "BienenStock" zu i42, Trends und
Tendenzen werden dann auf gesonderten Seiten veröffentlicht. Dort wird es dann
Querverbindungen zu einer Bank geben. Der Vorteil der Bank, dass sie gewissermaßen
nur in der zweiten Reihe sitzt, wenn etwas schief geht, also die Trends nicht
stimmen, liegt darin, dass ihr Markenname nicht direkt mit der Prognose in Verbindung
gebracht wird. Schließlich kann auch das "klügste" neuronale Netzwerk völlig
unvorhersehbare Ereignisse nicht erahnen. Und warum die Internet-Nutzer ihren
PC für die Rechnerei zur Verfügung stellen sollen? "Weil es einfach cool ist,
dazuzugehören", meint man bei i42. Für SETI rechnen immerhin zwei Millionen
Einzelcomputer.
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